Nicht länger namenlos! Neue Wege für das Gedenken an die Todesopfer der NS-Medizinverbrechen unter besonderer Berücksichtigung von Kaarst und Büttgen

Vortrag von Dr. Luisa Hulsrøj im Rahmen der Reihe "Stadtgeschichte am Abend"

Inhalt:

Im Mittelpunkt des Medizinverständnisses des NS-Regimes stand nicht die Heilung und das Wohlbefinden des Einzelnen, sondern das rassistisch definierte Wohl des Volks. Dieser Anschauung fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer: Menschen mit Behinderungen oder psychischen Krankheiten galten als kostenintensive „Ballastexistenzen“ und Gefahr für die deutsche „Erbgesundheit“. Deshalb wurden sie in sogenannten „Kinderfachabteilungen“, Tötungsanstalten oder regulären Kliniken durch Gas, Überdosen von Medikamenten oder gezielte Vernachlässigung umgebracht.
Auch in der Rheinprovinz forderten die Medizinverbrechen Tausende Menschenleben – unter den Opfern befinden sich auch Menschen aus Kaarst und Büttgen. Bislang sind die Todesopfer meist namenlos geblieben. Das beim Landschaftsverband Rheinland (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte) im Aufbau befindliche Gedenkbuch soll diesen lange anonym gebliebenen Menschen über ein breit angelegtes Forschungsprojekt ihre Namen und ihre Geschichten zurückgeben. Der Vortrag wird in die Geschichte der NS-Medizinverbrechen einführen und anhand lokaler Beispiele den Ansatz des Projektes, Lebensgeschichten und Leidenswege möglichst ganzheitlich einzufangen, vorstellen.

 

Zur Person:

Dr. Luisa Hulsrøj ist wissenschaftliche Referentin am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn. Zuvor promovierte sie an der Universität Cambridge bei Christopher Clark mit einer Untersuchung der NS-Bewegung bis 1933 in umstrittenen deutschen Grenzgebieten. Anschließend folgte ein wissenschaftliches Volontariat an der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.