Eine besondere Quelle zur Geschichte Kaarsts während des Zweiten Weltkriegs befindet sich künftig im Stadtarchiv. Irene Duerbaum hat Unterlagen der Familie Schages als Dauerleihgabe überlassen. Dazu gehören mehr als 200 Briefe, die Johann und Gertrud Schages sowie weitere Familienmitglieder während des Zweiten Weltkriegs an ihren Sohn Johannes schrieben, der als Soldat an der Ostfront eingesetzt war.
Die Briefe geben einen unmittelbaren Einblick in das Leben der Familie auf dem Buscherhof und zugleich in die Ereignisse in der Gemeinde Kaarst während der Kriegsjahre. Thematisiert werden unter anderem Luftangriffe und Flugzeugabstürze, gefallene Soldaten sowie der Einsatz von Zwangsarbeitern. Damit dokumentieren die Briefe nicht nur persönliche Schicksale, sondern auch die Auswirkungen des Krieges auf das Leben vor Ort.

Bürgermeister Christian Horn-Heinemann würdigt die Dauerleihgabe: „Solche persönlichen Dokumente machen Geschichte greifbar. Sie zeigen, wie sehr die großen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs auch das Leben der Menschen hier in Kaarst geprägt haben. Ich freue mich sehr, dass diese Briefe dem Stadtarchiv dauerhaft zur Verfügung stehen und damit für die historische Forschung und für künftige Generationen erhalten bleiben.“

Die Unterlagen wurden inzwischen fachgerecht durch einen Dienstleister geordnet und im Archivfachinformationssystem verzeichnet. Anschließend wurden die Briefe in säurefreien Archivmappen und -kartons verpackt und im Stadtarchiv digitalisiert. Derzeit werden die handschriftlichen Briefe zusätzlich mithilfe Künstlicher Intelligenz transkribiert. Dadurch sollen die Inhalte künftig per Volltextsuche erschlossen werden können.
Für das Stadtarchiv sind die Unterlagen eine wertvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen amtlichen Beständen. Insbesondere für das laufende Forschungsprojekt zur Kaarster Stadtgeschichte von 1918 bis 1945 bieten die Briefe neue Einblicke in die Kriegszeit aus persönlicher Perspektive.
Das Stadtarchiv ist grundsätzlich an der Übernahme aussagekräftiger historischer Quellen interessiert. Private Briefe, Fotos, Tagebücher, Dokumente oder andere Unterlagen können wichtige Zeugnisse des gesellschaftlichen Lebens vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte in Büttgen und Kaarst sein.