Die Vortragsreihe „Stadtgeschichte am Abend“ geht weiter. Unter dem Titel „Hitlers Wähler, Parteigenossen und Jugend“ geht die Veranstaltung am 24. März um 19 Uhr in der VHS zentralen Fragen zur Geschichte der NS-Zeit nach. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen W. Falter, emeritierter Universitätsprofessor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, präsentiert dabei wegweisende Erkenntnisse aus seinen Studien zu den Wählern und Mitgliedern der NSDAP.
Verknüpft werden seine Studien mit den wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Kaarst. In den Beständen des Kaarster Stadtarchivs gibt es hierzu ein interessantes Bild. Es zeigt eine Kundgebung zum 1. Mai 1933 am Kriegerehrenmal. Man muss genau hinschauen, um das spannende Detail im Bild zu entdecken: Nur die NS-Funktionäre und vorderen Reihen recken den rechten Arm brav zum „Deutschen Gruß“. Ab Reihe drei fühlt sich niemand aufgefordert, dem Beispiel zu folgen. Das Bild ist ein Indiz, mehr nicht. Und doch lässt sich damit belegen, was sich auch in den Wahlergebnissen in Kaarst zeigt: 1933 war die NSDAP noch nicht die Partei der absoluten Mehrheit, die Gleichschaltung der Gesellschaft noch keine Realität.
Dies ist eine Erkenntnis der Aufarbeitung der Kaarster Stadtgeschichte bis 1945. Tatsächlich befindet sich das Projekt in der „Zielkurve“, wie Stadtarchivar Sven Woelke formuliert. Bis zur Zielgeraden fehlt noch ein Stück. Unter anderem gilt es, die überaus ergiebige Mitgliederliste der Kaarster NSDAP-Ortsgruppe auszuwerten. Dr. Ansgar Klein, für das Projekt angestellter Historiker, wird die Erkenntnisse in einem Buch zusammenfassen. Die Arbeiten am Manuskript haben bereits begonnen. In der zweiten Jahreshälfte 2027 soll das Buch veröffentlicht werden. Bei der Veranstaltung am Dienstag werden die neuen Quellen und die Zwischenergebnisse vorgestellt, bewertet und eingeordnet.
Die Veranstaltung bietet somit eine einmalige Gelegenheit, lokalhistorische Dokumente mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden und die NS-Geschichte der Region besser zu verstehen.