Mit einem geplanten Defizit von rund 15 Millionen Euro geht die Stadt Kaarst in die Haushaltsberatungen 2027. Kämmerer Dr. Sebastian Semmler brachte am Donnerstagabend den Entwurf des Haushalts 2027 ein. Erstmals in ihrer Geschichte wird die Stadt Kaarst ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) aufstellen: Bis spätestens 2037 muss damit der Haushalt ausgeglichen werden.

Die entsprechenden Maßnahmen werden derzeit erarbeitet. Das HSK als Teil des Haushalts soll im März 2027 vom Stadtrat beschlossen werden. Semmler machte am Donnerstagabend deutlich, wie der Konsolidierungskurs der kommenden Jahre aussehen wird: „Wir brauchen mehr Erträge und wir müssen in den steuerbaren Ausgaben deutliche Einsparungen erzielen. Konkret heißt das: Mehr Gewerbeansiedlungen, mehr Erträge aus städtischen Beteiligungen, Verkauf nicht mehr benötigter Grundstücke und Aufgabe von Gebäuden. Gleichzeitig müssen wir insbesondere die Personalkosten reduzieren. Wir haben bereits 15 Stellen seit 2024 eingespart. Weitere Einsparungen werden wir nur erzielen können, wenn wir gleichzeitig die Aufgaben der Stadt verringern.“

Die finanzielle Schieflage ist dabei nur in geringen Teilen hausgemacht: „Bund und Land müssen endlich für die Aufgaben zahlen, die sie uns als Kommunen auferlegen. Insbesondere im Bereich der Sozialleistungen explodieren die Kosten. Diese werden wir aus eigener Kraft nicht schultern können“, sagt Semmler.

Bürgermeister Christian Horn-Heinemann unterstrich in seiner Rede an den Stadtrat diese Forderung der Stadt: „Wir reden hier nicht über ein Problem einzelner Städte, die ihre Finanzen nicht im Griff haben, sondern die gesamte kommunale Familie steht massiv unter finanziellem Dauerdruck. Das ist kein kurzfristiges Problem, das ist eine ernste strukturelle Schieflage. Wird diese nicht gelöst, wird das Vertrauen in unseren Staat und damit das Fundament unserer Demokratie schwinden.“

Der Gang in die Haushaltssicherung ist nicht gleichbedeutend mit einem Stillstand. Bürgermeister Horn-Heinemann: „Wir werden weiter mit Augenmaß investieren, um diese Stadt zukunftsfähig zu halten. Ganz vorn stehen dabei sicher die Themen Bildung, Schule und Betreuung. Auch die weitere Entwicklung der Stadtmitte und andere Investitionen in unsere Infrastruktur und in die Resilienz unserer Stadt werden weitergeführt.“

Im Januar und im Februar 2027 tritt der Haupt- Wirtschafts- und Finanzausschuss zusammen, um den Haushaltsentwurf zu beraten. Bis dahin werden auch die bereits jetzt zu erwartenden Verschlechterungen des Haushaltes eingearbeitet sein. Allein durch den Anstieg der Kreisumlage wird das Defizit auf mindestens 17,3 Millionen Euro steigen.
Alle Informationen zum Haushalt wie das vorläufige Produtkbuch 2027, die Präsentation des Kämmerers sowie die Haushaltsreden sind abrufbar unter www.kaarst.de/haushalt2027.