Politik, Theater und Musik - der Festakt zum Tag der Deutschen Einheit im Kaarster Rathaus bot von allem etwas. Dabei kam das Thema des Vormittags nicht gerade spektakulär daher: der Kompromiss. Tatsächlich ist der Kompromiss als DNA der Demokartie hochgradig aktuell: Wer nach Wahlen keine Kompromisse findet, bildet keine Regierungen. Wer kontroverse Standpunkte nicht verheiratet, gefährdet Koalitionen. Und wer keine tragfähigen Lösungen bastelt, wird womöglich handlungsunfähig. Referent Professor Ulrich Willems von der Universität Münster bezeichnete den Kompromiss daher in seinem Vortrag treffend als "Arbeitspferd der Demokratie". Er trug der Politik auf, trotz aller Gegensätze die Kompromissfähigkeit zu erhalten.
 
In erster Reihe saß die Delegation aus der französischen Partnerstadt La Madeleine - angeführt von Bürgermeister Sébastian Leprêtre. Auch in Frankreich stehen sich die politischen Lager gegenüber, Kompromisse zu finden, wird im Nachbarland ebensfalls immer schwieriger: "Deshalb war es für ein sehr interessanter Vormittag. Wir freuen uns auf die nächste Gelegenheit zum Austausch", sagte Leprêtre.
 
Der Literaturkurs der angehenden Abiturienten des Albert-Einstein-Gymnasiums nahm die Besucher mit auf eine kleine Zeitreise in die Tage des Mauerfalls.  Drei Szenen aus dem selbstgeschriebenen Theaterstück brachten die Erinnerungen an Montagsdemos, die letzten Zuckungen des SED-Apparats und schließlich den Tag des Mauerfalls zurück. 
Dafür gab es ebenso großen Applaus wie für das Trompetenensemble der Kreismusikschule. "Ich danke allen Beteiligten und den Gästen für diese gelungene Veranstaltung", sagte Gastgeber Bürgermeister Christian Horn-Heinemann.